• monika sintram-meyer

MACHEN

Thema meines Blogs ist es, zu zeigen, was ich mit meinen digitalen Geräten mache: Heute Nachmittag in einem Stück diesen Text auf dem Tablet geschrieben. In der Cloud gespeichert und jetzt aus der Cloud am Notebook kopiert und hier eingefügt. Mich hat das Thema so bewegt - es musste einfach raus.


MACHEN

„In Schleswig-Holstein waren es im Juni 20 Prozent weniger als im Vorjahresmonat“, sagt Roman Kaak, Geschäftsführer des Landesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft. Ob dies durch den Wunsch zu sparen motiviert sei, lasse sich schwer sagen. Dies werde sich ab Oktober zu Beginn der Heizperiode zeigen. „Dann ist es entscheidend, den Gas- und Stromverbrauch zu reduzieren.“ Quelle: Lübecker Nachrichten, 11.09.2022


Es wird viel geschimpft im Moment - auf die Regierung, auf die da oben … Ich kann den Frust, die Sorge, sogar die Wut verstehen. Trotzdem werde ich versuchen, deutlich zu machen, dass das Energiesparen schon lange ein Thema sein sollte. KLIMAWANDEL. Bei allen energetischen Rückschritten - Kohlekraftwerke, womöglich Kernkraftwerke wieder hochfahren – muss unsere Zukunft nachhaltig aussehen. Ich hoffe sehr, die aktuelle(n) Krise(n) führen zu der lange überfälligen Umorientierung. Und zum Bewusstsein, dass wir über unsere Verhältnisse bzw. denen des Planeten Erde gelebt haben. Denkt bitte gelegentlich daran: wir leben nicht allein auf dieser Kugel, die um den Stern namens Sonne rotiert. Bei meinen Überlegungen beziehe ich MICH auch immer mit ein. Zur Erinnerung: Woher kommt unsere Energie? Bis auf Kernkraft (Atomkraft) aus der Sonne. Die fossilen Energieträger Erdöl, Erdgas und Kohle waren einmal Pflanzen und Tierchen. Die Pflanzen haben CO2 aus der damaligen Atmosphäre entnommen und zusammen mit Wasser, wovon es mehr als genug gab, Zucker und andere ähnliche Stoffe gebildet. Das ging aber nicht mal eben so. Es wurde Energie benötigt. Diese kam aus der Sonne. Perfekt. Kein Strom, kein Kernkraftwerk. Und noch besser war das ABGAS dieser chemischen Reaktion: SAUERSTOFF. Es wurde in grauer Vorzeit, lange bevor die Hobbits (Haarfüßer) Mittelerde bevölkerten, durch den Entzug von CO2 und Anreicherung von Sauerstoff (O2) die Erde für uns überhaupt erst bewohnbar. Denn – inzwischen weiß es jedes Kind – CO2 ist ein Treibhausgas. Die Erde kühlte dadurch ab. Vorher war sie viel zu heiß. Ok – ich habe zeitlich etwas geschummelt, denn der beschriebene Vorgang der Photosynthese begann schon ein paar Jährchen früher - im Meer. Und es waren zunächst Cyanobakterien, auch heute noch bekannt: als Blaualgen. Egal – das Prinzip ist identisch: Pflanzen „essen“ CO2 und „ trinken“ Wasser dazu. Dadurch können sie bestehen, wachsen und sich vermehren. So wie wir brauchen sie aber nicht nur Rohstoffe, sondern auch Energie – Solarenergie. Und was wurde ausgeatmet? Sauerstoff. Perfekt für die Säugetiere, also auch für uns Menschen. Denn nichts anderes sind wir: Säugetiere. Wir hatten Pflanzen, die wir essen konnten also Rohstoffe. Sauerstoff zum Atmen, d.h. Sauerstoff zum „ Verbrennen“ der Nährstoffe. Dabei gewinnen wir die notwendige Energie, um überhaupt leben zu können – Solarenergie letztendlich. Und damit wir nicht frieren, verbrennen wir auch Pflanzen. Oder deren Rückstände, die seit Urzeiten vermodert unter der Erdoberfläche liegen: Fossile Brennstoffe – Erdgas, Erdöl und Kohle. Deren Verbrennung oder auch der Stoffwechsel im Körper verläuft genau anders herum. Es werden CO2 und Wasser (H2O) gebildet. Und wir gewinnen die vorher gespeicherte Solarenergie zurück. Benötigt wird, da ja alles anders herum läuft, Sauerstoff (O2).

Hab ich schon erwähnt: in den Naturwissenschaften nennt man die Pflanzen PRODUZENTEN. Tiere - und Menschen - sind die KONSUMENTEN. Die Pflanzen und die Sonne sind mit den Rohstoffen CO2 und H2O die Grundlage allen Lebens – zumindest so, wie wir es kennen.


Und das ist nun das Problem: Die fossilen Brennstoffe liegen seit vielen Jahren, als es noch kein Amerika oder Europa gab, sondern nur Urkontinente, unter der Erde. Gebundenes CO2 – gebundene Solarenergie. Mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurden diese Energieträger aus dem Untergrund an die Erdoberfläche befördert. Und verbrannt, wodurch das eingesperrte CO2 wieder in die Atmosphäre gelangte, wo es dafür sorgt, dass alles wieder rückwärts läuft: der CO2-Gehalt steigt und damit wird es irgendwann wieder so heiß, dass Säugetiere auf diesem Planeten nicht mehr existieren können.

Das ist eine Scheißsituation, in der wir stecken, wovon wir aber schon lange wissen. Es wurde praktisch nichts unternommen. Mit dem Finger auf andere zeigen? Die machen doch auch nichts! Bequem, bringt aber nichts. Wir sind doch nicht blöd – oder? Wir WISSEN doch: wir sind gezwungen, uns umzustellen. Kreislaufwirtschaft, wie sie uns die Natur vorlebt. Oder auch die Jahreszeiten. Verzicht? Ja, unbedingt. Verzichten auf ein Wochenende in Barcelona, Weihnachtsshopping in New York, auf 3 Urlaubsreisen im Jahr mit Flügen. VERZICHT: Manchmal auf Fleisch, im Winter auf frisches (Sommer)-Gemüse – stattdessen Wintergemüse , auf ständig neue Styles, Autofahrten mal eben hierhin oder dorthin – überflüssig und planlos, Übermaß an Lebensmitteln – nur ein Teil wird verarbeitet, der Rest: Müll. Und man kann tatsächlich überlegen, ob 1. Täglich geduscht werden muss 2. Zwischendurch nicht vielleicht doch ein Waschlappen den wichtigen hygienischen Zweck erfüllt. Leider leben wir nicht in Südeuropa, wo das Bidet die Reinigung des Unterkörpers sehr erleichtert (zum Glück habe ich eines). Etwas weniger Wellness und etwas mehr Bewusstsein. Auch einmal über den eigenen Tellerrand schauen. Nicht ganz so ICH-zentriert leben.


Der Vorteil des Alters ist: man – ich – habe seit 1948 viel erlebt. In Hamburg waren die Kellergewölbe der ausgebombten Häuser mein Abenteuerspielplatz, ich erlebte das „ Wirtschaftswunder“, den Mauerbau, die Kubakrise und die Sorge vor einem Atomkrieg. Aber auch den Aufstieg der Beatles und Rolling Stones. Disco und Spaß. Als Lehrling hatte ich mit 18 Jahren 2½ Wochen Urlaub. 2 Wochen bin ich jährlich verreist: Schweden, Norwegen, England. Habe ich etwas vermisst? Ja, ein eigenes Zimmer. Nach der Lehre ein möbliertes Zimmer gemietet. 70-er Jahre: Studium Chemieingenieur-Technik. Einzige Frau; „Meine Dame, meine Herren“ – so die Ansprache. Ich hörte den Begriff UMWELTSCHUTZ zum ersten Mal. Ich lernte den Unterschied zwischen Emission und Immission. Schadstoffe. Reinigung von Luft und Abwasser. Konsequenterweise ging es in die Forschung: Recycling von Kunststoffen durch Pyrolyse. Keine Angst, ich halte keinen weiteren Vortrag. 1973 die sogenannte Ölkrise, genauer Ölpreiskrise mit den Folgen: Energiesicherungsgesetz, allgemeines Fahrverbot (Spaziergänge und Radfahren auf den Autobahnen), Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 100 km/h bzw. 80 km/h. Für 6 Monate. Das ist fast 50 Jahre her!

Dann am Wochenende in mein seit Kindertagen geliebtes Schleswig-Holstein. Zumindest am Wochenende. Wochenendhaus. Garten. Radeln durch die hügelige Landschaft. Die kaschubischen Gene brachen langsam durch. Es dauerte aber noch, bis in die frühen 80-er, bis ich eine Landfrau wurde. Gorleben – Proteste gegen den geplanten Bau einer Atommüllendlagerstätte. (Ich glaube, man hat inzwischen Bayern ausgesucht- oder?) Gegen den Bau eines Kernkraftwerkes in Brokdorf. Beschäftigung mit dieser Technologie. Irrsinn, völliger Irrsinn. Müll, der für Jahrtausende sicher verwahrt werden muss. In der heutigen Diskussion möchte ich nur erinnern: Harrisburg 1979, Tschernobyl 1986, Fukushima 2011. Bald Saporischschja 2022? Die Gefahr wurde immer wieder verdrängt und vergessen. Auch jetzt wieder, wo versucht wird, die Laufzeiten zu verlängern. 1986 wurden Böden auch hier verstrahlt. Kinder durften nicht draußen spielen. Die Pflanzen, besonders Pilze, nahmen Cäsium 137 aus dem Fallout gerne auf – sie „ verwechselten“ es mit dem ähnlichen Pflanzennährstoff Kalium. Die 80-er: Lehrerin an einer Berufs(fach)schule. Es entwickelten sich zum Jahrtausendwechsel die Lieblingsfächer Lebensmittelchemie + Analytik und Umweltchemie + Analytik. Dadurch blieb ich bei der CO2-Konzentration auf dem Laufenden. Ich war erstaunt, dass diese bei 360 ppm lag. Gelernt hatte ich noch 320 ppm. Inzwischen liegen wir bei über 400 ppm.


Anfang der 80-er ganz nach Schleswig-Holstein gezogen. Mit Schafen. Schon vorher die „Bibel“ der ökologisch Bewegten gekauft: Das große Buch VOM LEBEN AUF DEM LANDE. Das hat geholfen, zumindest teilweise zum Selbstversorger zu werden. Es wurde gepflanzt, geerntet in Natur und Garten, konserviert durch Einkochen, Einmachen, Confieren und Dörren. Zur Erinnerung: es gab noch kein Internet, sondern Telefone mit Wählscheibe oder Tastatur – und ganz langem Kabel. Informationen gab es über Bücher, Zeitschriften und Zeitungen, Radio und Fernsehen.


Nun bin ich 73 Jahre alt und lerne schon mein ganzes Leben lang. Das ist gut - zusammen mit den gemachten Erfahrungen. Deswegen habe ich keine Angst, bin aber in Sorge. Ich hoffe, dass die wirklich bedürftigen Menschen Hilfe erhalten. Alle anderen – ich mache es auch – sollten sich auf einen ungewissen und teuren Winter vorbereiten. Nicht lamentieren, klagen und auf den Staat ( das sind wir) oder die Regierung - oder wen auch immer – schimpfen. MACHEN. Einfach mal machen. Für mich selbst, die Familie, Freunde und Bedürftige. Bewusst einkaufen, selbst kochen. Eine Freundin sagte heute: „Ich kann aus 3 Zutaten eine leckere Suppe kochen.“ Stimmt, kann nicht jede. Die Natur ist voller Früchte. In den Gärten stehen voll mit Früchten zusammenbrechende Obstbäume. Sammelt TwistOff-Gläser. Macht darin ein, kocht Marmelade, legt ein, macht Saft, Kuchen im Glas. Trocknet in Dörrgeräten oder im Backofen. Wenn er schon heiß ist, nutzt ihn vorher zum Backen. Geht bewusster mit der wertvollen Energie um. Informiert euch über die zahlreichen Möglichkeiten. Kleinvieh macht auch Mist. Legt euch einen Notvorrat an. Das mache ich seit dem Katastrophenwinter 1978/79, als auch ich in Schleswig-Holstein eingeschneit war. Es war in den Weihnachtsferien. Jährlich tausche ich das eingelagerte Mehl durch neues aus. Erweitert habe ich meinen Notfallplan durch ein DAB-Radio, für das ich eine große Batterie vorrätig habe. Teelichter, aber auch LED-Akku-Lampen. Diverse größere Powerbanks, ein kleines und größere mobile Solarpanele mit 1000 und 2000 Watt. Diese lassen sich ohne Sonne auch an der Steckdose laden. So hat man Notstromaggregate. Ein Campingkocher und Flüssiggasflaschen. Dieses Gas ist nicht zu verwechseln mit dem LNG. Flüssiggas ist Propan/Butan und kommt meistens aus Norwegen. Zur Verflüssigung benötigt es nur Druck, keine Kälte. Und ein Benzinvorrat – am besten im Metallkanister. Trinkwasser nicht vergessen und Bargeld. Sollte es bei der Stromversorgung zu einem Blackout kommen: es läuft dann praktisch nichts mehr. Auch Heizungen benötigen Strom, u.a. für die Pumpen und Zündung. Sicherheitsvorkehrungen trifft man IMMER in der Hoffnung, diese nicht zu benötigen. Das habe ich als Ingenieurin und Lehrerin im Labor gelernt. Meistens ist es auch gut – aber nicht immer.


Was wir jetzt erleben ist im Grunde lange überfällig. Die vielen alternativen Ansätze der 70-er Jahre wurden nicht umgesetzt oder nur zu Teilen. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass Energieerzeugungsanlagen uns näher auf den Pelz rücken. Große Kraftwerke mit großer Leistung in großer Entfernung von uns: vergesst es. Wir alle sind gefragt, wo immer möglich, Energie „ einzufangen“ , Energie einzusparen. Das ist unsere Zukunft. Netzwerke bilden – Fahrgemeinschaften, Lebensmittel nicht verschwenden, Früchte ernten, verschenken. Wir haben so viele Möglichkeiten. Und die digitalen Geräte – ich weiß, auch diese verbrauchen Energie – ermöglichen uns die Vernetzung: DorffunkApp, Signal, WhatsApp, Facebook …

Aus meiner jetzigen Erfahrung kann ich nur sagen: Es ist schön, zu teilen – nicht nur Katzen- oder Hundevideos.


MACHEN



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